Umsetzung Konzept // Brandschutz // Schallschutz // Tragwerk im Bestand

Brandschutz
Grundlagen
Für den Änderungsantrag zum Erhalt des Gleishallendaches wurden die Schutzziele der HBauO – Personenschutz, Löscharbeiten, Begrenzung der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Schutz des Nachbarn) – in einem umfassenden Brandschutzkonzept nachgewiesen. Für Bestandsgebäude – Gebäudeklasse 3 – muss ein Brandschutzkonzept anstelle eines Brandschutznachweises erarbeitet werden, um risikoorientiert und wirtschaftlich den Brandschutz nachzuweisen. Damit können in Abhängigkeit von der Nutzung und dem vorliegenden Gebäude das brandschutztechnisch zulässige Maß festgelegt werden.

Brandschutzkonzept
Im vorliegenden Fall handelt es sich bei den Hallen 2, 3, 4 um erdgeschossige Industriebauten, die nach der Industriebaurichtlinie (IndBauRi) beurteilt werden können. Gemäß IndBau-Ri sind Erleichterungen zulässig. In Hallen aus nichtbrennbaren Baustoffen sind Nutzungseinheiten bis 1.800 qm zulässig. Dies gilt für die Hallen 2 und 4. Wenn feuerhemmende Bauteile vorhanden sind, sind Nutzungseinheiten bis 3.600 qm zulässig. Die Tragkonstruktion der Halle 2 erfüllt augenscheinlich feuerhemmend. Halle 3 hat eine Dachschalung aus Holz, dies wird entweder kompensiert durch kleinere Nutzungseinheiten oder durch feuerhemmendes Tragwerk, d.h. Beschichtung der sichtbaren Stahltragkonstruktion.
Da die Gleishalle mehr als 200 Personen fasst, ist sie als Versammlungsstätte gemäß VStätt-VO einzuordnen. Die nutzbare Fläche auf den Bahnsteigen beträgt 2.362 qm zuzüglich der Veranstaltungsflächen am Kopf von Halle 2 und der Gastronomie Halle 3. Die Fläche beträgt dann insgesamt 3.445 qm < 3.600 qm.

Tragkonstruktion
Für erdgeschossige Versammlungsstätten < 3.600 qm wird gefordert, dass eine Tragfähigkeit von 30 min der Tragkonstruktion im Brandfall nachgewiesen wird. Im Rahmen des Konzeptes mit Ingenieurmethoden – Brand- und Rauchsimulation (ASERI- Feldmodell) sowie einer heißen Bemessung der Stahlkonstruktion gemäß dem Eurocode 3 – wurde nachgewiesen, dass die ungeschützte Stahlfachwerkkonstruktion 30 min tragfähig ist. D.h. keine Beschichtung / Bekleidung, keine Sprinklerung, jedoch Brandmeldeanlage.

schnittgleishalle

Das Lichtraumprofil der Güterwaggons reichte während der Bahnhofsnutzung bis unmittelbar unter die ungeschützten Stahlfachwerkträger des Gleishallendaches und damit auch die Brandlast aus den Waggons. Die Dacheindeckung besteht abwechselnd aus Stahltrapezblech und transluzentem Kunststoff. Dieser Kunststoff ist durch UV-Bestrahlung abgängig und wird durch herausschmelzendes durchsichtiges, klares Acrylglas, nicht brennend abtropfend, ersetzt. Im First sind 10 Rauchabzüge vorhanden, von denen diverse ersetzt werden müssen.

brandschutzillu

Außenwände, Trennwände
Ziegelwände aus Vollziegeln – tragend oder nichttragend – erfüllen gemäß dem Eurocode 6 bereits in einer Wanddicke von 11,5 cm 90 min Feuerwiderstand. In Abhängigkeit von der Wandhöhe (Schlankheit) sind statisch dickere Wände erforderlich. Damit erfüllen die vorhandenen Außenwände und Trennwände zwischen Nutzereinheiten der Hallen aus Vollziegeln mindestens die Anforderung feuerhemmend – 30 min Feuerwiderstand –. Zusätzliche Trennwände sind mit einem Stahlbetonsockel und darüber Trockenbauwände geplant.

Die STIFTUNG OBERHAFEN hat vorgeschlagen anstelle dieser Wandart Mauerwerkswände aus Kalksandplansteinen (KS) zu erreichten, weil Trockenbau nicht feuchtebeständig ist und keine Konsollasten durch die Nutzer aufnimmt. KS-Wände sind schneller zu errichten und sind dann fertig. Zusätzliche Malerarbeiten können im Industriebereich entfallen. Damit sind diese Wände auch kostengünstiger. Nutzungstrennungen – Versammlungsstätte, Industrienutzungen – sind feuerbeständig (90 min) zu trennen. Zur Brandabschnittsbildung sind Brandwände erforderlich. Bereits 17,5 cm dicke KS-Wände mit Dünnbettmörtel erfüllen die Anforderungen feuerbeständig und Brandwand. 3seitig gehaltene KS-Wände mit Aussteifungsstützen aus betonverfüllten U-Schalen sind im Bauwerk möglich.

Decken, Unterzüge
Decken, Unterzüge müssen im Industriebereich nichtbrennbar sein, im Bereich der VStätt mindestens feuerhemmend.

Dächer
Dächer müssen im Industriebereich < 1.800 qm nichtbrennbar sein oder feuerhemmend < 3.600 qm. Halle 2 und 4 erfüllen diese Anforderung. Halle 3 hat auf der Stahltragkonstruktion (nichtbrennbar) eine Holzschalung (brennbar). Vorschlag der STIFTUNG OBERHAFEN mit Nutzungsflächen < 1.800 qm Stahlkonstruktion feuerhemmend beschichten, alternativ Nutzungsflächen < 1.000 qm, und Brandmeldeanlage als Frühwarnanlage zur Kompensation der Holzschalung.
Dächer in Versammlungsstätten – ungeschützte Stahlfachwerkträger Gleishallendach – müssen im Brandfall 30 min standsicher sein. Dies wurde durch die STIFTUNG OBERHAFEN mit dem Brandschutzkonzept nachgewiesen. D.h. keine Zusatzmaßnahmen außer dem Austausch der defekten Lichtbänder und Oberlichter gegen rausschmelzende Lichtbänder, nicht brennend abtropfen. Da für VStätt Brandmeldeanlagen gefordert werden, soll diese zum frühzeitigen Öffnen der Oberlichter genutzt werden.

Treppen
Treppen von den Podesten auf das Gelände müssen schwerentflammbar, aus VStätt nichtbrennbar sein. Es werden rutschhemmende Metalltreppen vorgeschlagen. In den mehrgeschossigen Gebäuden sind Massivtreppen vorhanden.

Rettungswege, Fluchttunnel
Je Nutzereinheit sind 2 Ausgänge ins Freie zur jeweiligen Straßenseite geplant, s. Grundrisse. Aus der VStätt sind von den Bahnsteigen Bahnsteigbreite rutschhemmende Metalltreppen auf das Gelände vorgeschlagen. In etwa Hallenmitte werden breite vorhandene Stahltore als Notausgang mit Fluchttunnel ertüchtigt. Aufgrund des Bestandes werden in diesem Bereichen öffentliche WC-Anlage vorgeschlagen. Damit geht keine nutzbare Fläche verloren. Am Kopf des Gleishallendaches können entweder seitlich je ein Ausgang realisiert werden oder es wird im Kopfbau der ursprüngliche Hauptzugang zum Güterbahnhof wieder eröffnet. Die Notausgänge dienen gleichzeitig als Zuluftöffnung im Brandfall. Damit konnten ausreichende Fluchtwege für 3.600 Personen nachgewiesen werden.

Feuerschutzabschlüsse – Türen, Tore, Klappen –
In Trennwänden zwischen Nutzungseinheiten – Industriebereich/VStätt – sowie in Abschnittsbildenden Trennwänden sind Feuerschutzabschlüsse entsprechend der Wandqualität erforderlich. In inneren Trennwänden wird dies umgesetzt, s. Brandschutzplan. Um den Industriecharme der Außenwände der Hallen 2 und 3 zur Gleishalle zu erhalten, wurde von der STIFTUNG OBERHAFEN nachgewiesen, dass für die neuen Fenster und Türen aus Stahlrahmen mit Isolierverglasung in Verbindung mit den alten vorhandenen Stahltoren 30 min die Brandweiterleitung verhindert wird. Alternativ werden in den vorhandenen Öffnungen entsprechend dem Bestand Glasbausteine belassen bzw. neu eingesetzt. Wände aus Glasbausteinen erfüllen im Brandfall den Raumabschluß für annähernd 60 min.

Löschwasserversorgung
Der erforderliche Grundschutz von 96 m3/h ist lt. Messung der Feuerwehr vorhanden. Der geplante Löschwassertank ist daher überflüssig.

Brandschutztechnische Einrichtungen
Brandmeldeanlage über Wärmekabel im Bereich VStätt, weil Rauchmelder im Außenbereich nicht funktionssicher sind. Alarmierung über Sirene. Keine Sprinklerung. Ansonsten s. Brandschutzkonzept.

Schallschutz
In dem noch nicht rechtskräftigen Bebauungsplan HafenCity 10 ist auf der Westseite der südwestlich des Oberhafenquartiers verlaufenden Pfeilerbahn die Ausweisung eines Kerngebietes (MK) mit bis 34,5 m hohen Wohngebäuden in Blockbauweise geplant. Hierfür wurde der Schallschutz in Verbindung mit einer Industrienutzung Oberhafen nachgewiesen. Hierbei wurde der Bereich Gleishalle als Brache ausgewiesen.

Tragwerk im Bestand
Namhafte Hamburger Statiker / Prüfingenieure / Bundesprüfingenieure haben sich anhand der vorliegenden geprüften Statik von 1986 vor Ort zum Dachtragwerk der Gleishalle dahingehend geäußert, dass bei lastneutralen Reparaturen kein zusätzlicher statischer Nachweis erforderlich ist. Das Dachtragwerk ist nicht alt und optisch in Ordnung. Zu den beplanten Bereichen der Halle 2 und 4 gibt es Untersuchungen der HCH und die Reparaturmaßnahmen sind minimal. Weitere Angaben sind dem Gesamtkonzept zu entnehmen. Zur Halle 3 – Ziegelmauerwerk mit Stahlträgern –, dem Kopfbau – Massivbau aus den 50er Jahren – und dem Bahnhofsgebäude – Ziegelmauerwerk mit Massivdecken – liegen der STIFTUNG OBERHAFEN bisher keine Bestandsunterlagen vor. Frostschäden sind wirtschaftlich zu reparieren.

Fassaden
Grundsätzliches Ziel der STIFTUNG OBERHAFEN ist es, Wiederherstellung der alten Industriefassaden,
s. Pläne.

Halle 4
Instandsetzung oder Austausch Rolltore mit Belichtung – Nordseite. Keine Kunststofffenster. Südseite wie geplant, Stahltore seitlich mit neuen Stahlfenstern.

Halle 3 und Halle 2
Erhalt Stahltore, ggfs. festgesetzt. Fenster, Türen wirtschaftlich optimieren, Glasbausteine entsprechend Bestand ergänzen. Kopfbau, Bahngebäude, Lokschuppen alte Fensterteilung verwenden. Weitere detaillierte Angaben sind dem Gesamtkonzept zu entnehmen.